Archiv für Mai 2010

30
Mai
10

Oz: Verkauf mit Hot Chocolate

Es ist Sonntagnachmittag und das Wochenende ist fast wieder vorbei. Meine Arbeit als Milchmädchen habe ich wieder gekündigt und bin schon ein wenig stolz, daß ich es überhaupt so lange ausgehalten habe. Von den 8 Leuten, die mit mir angefangen haben, war am Ende nur noch ein Italiener übrig, der sich noch nicht sicher war, ob er am Montag noch zur Arbeit geht.

Alles in allem war es schon eine doofe Arbeit, denn die meisten Leute werden nur ungerne in ihrem Alltag von irgendwelchen Hausierern gestört. Trotz allem habe ich gerne mit den Leuten geredet, die tatsächlich mal nett zu mir waren, und der Teil der Arbeit wird mir schon etwas fehlen.

So hat mir letzte Woche in Weribee beispielsweise eine unglaublich nette Familie eine heiße Schokolade gemacht. Den ganzen Tag ging ich von Haus zu Haus, keiner war interessiert an einer kostenlosen Milchlieferung, und die, die interessiert waren, waren etwas skeptisch, weil sie noch nie von Aussie Farmers gehört hatten und sich an der Tür auf nichts einlassen wollten. Verständlich. Irgendwann, nach genug Absagen, will man eigentlich an keine weitere Tür klopfen. Aber ich habe mich überwunden und landete bei einem netten Herrn, der die Idee zwar gut fand, aber ohne seine Frau nichts entscheiden konnte. „Fair enough,“ habe ich gesagt, „dann komm ich eben später wieder.“ Seine Kinder hatten sich schon an der Türe vor ihren Vati gestellt, zumindest zwei davon, ordentlich aufgereit und neugierig, haben sich höflich verabschiedet.

Dies war dann am Abend die letzte Tür, zu der ich zurückgegangen bin, und als die Frau aufgemacht hat, meinte sie gleich, „Komm herein, Du mußt mir das alles erzählen, während ich das Pausenbrot für die Kinder vorbereite. Willst Du einen Tee? Kaffee? Es ist ja ordentlich kalt draußen.“
Den Tee hab ich abgelehnt, schließlich waren es nur noch 10 Minuten bis zum Feierabend, aber ich habe mich lange bedankt und gemeint, „Sie sind die Ersten, die mir etwas angeboten haben.“
Also, nach kurzem Erzählen und kurzer „sticky nose“-Visite eines ihrer Kinder (der war sehr niedlich, der Kleine, mit seinem Arm voller Kuscheltiere), meinte der Mann: „Du läufst schon den ganzen Tag herum, und keiner hat Dir etwas angeboten? Nicht zu fassen. Bist Du sicher, daß Du nichts magst? Eine heiße Schokolade vielleicht?“
„Also gut,“ sag ich, „wenn Sie drauf bestehen…“
Also wird mir eine heiße Schokolade gemacht, während ich die Bestellung aufnehme, und dann halte ich ein nettes Schwätzchen über Weribee und meine Reise und daß ich nicht aus Kanada bin, wie es gemeinhin aufgrund meines Akzents angenommen wird, sondern aus good old Germany.
Die Frau will wissen, wo denn der Käse hergestellt wird, und als ich Warnambool sage, lacht sie. Ihr Mann erklärt, daß sie aus Warnambool kommt, und ich meine, „Ich dachte Sie lachen, weil ich keine Ahnung habe, wie man Warnambool richtig sagt.“ Der Mann will seiner Frau stets einreden, doch Warnambool zu unterstützen, aber sie weigert sich, weil sie lieber ihren Käse von Kraft kauft und bestellt was vom Fleisch.
Meine heiße Schokolade wird mir serviert, sehr lecker, und plötzlich klingelt mein Handy, und mein Chef will wissen, wo ich mich gerade befinde, damit er mich abholen kann.
„Ich bin grad in einem Haus,“ sag ich. Dann schaue ich meine halbvolle heiße Schokolade an und ergänze, „Ich brauche noch etwa 10 Minuten.“
Als ich die heiße Schokolade ausgetrunken und die Bestellung aufgenommen habe, geleitet mich der Herr des Hauses noch nach draußen und ich bedanke mich vielmals für die Gastfreundschaft.

So war das, in Weribee. Es gibt eben auch nette Leute auf der Welt.

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23
Mai
10

Oz: Verkauf an Ned Kelly

Hier ist eine Geschichte aus meinem Alltag als Milchmädchen.

Mittwoch war ein schlechter Tag. Nachdem ich mit schlimmen Weisheitszahnschmerzen aufgewacht bin und nicht aufstehen, essen oder gar arbeiten wollte, habe ich mich nach der Einnahme von Schmerzmitteln doch genug erholt, um in die Arbeit zu gehen. Nachdem mir meine Arbeitskollegen alle Horrorgeschichten über ihre Weisheitszähne erzählt hatten, wurde ich in der Straße abgesetzt, die mir an diesem Tag zugeteilt war, und ich ging mehr oder weniger fröhlich ans Werk. Von den paar Leuten, die zuhause waren, war keiner interessiert, außer einem, der aber statt einem Steak oder Hackfleisch lieber gleich eine halbe Kuh geliefert haben wollte.
„Hmm, nein, Sie können nur haben, was auf unserer Liste steht. Ich denke nicht, daß wir auch halbe Kühe liefern.“
„Doch, doch, sagen Sie Ihrem Chef, er soll mich morgen anrufen, dann bespreche ich das mit ihm.“
Gut, denke ich mir, soll mein Chef sich mit ihm herumärgern. Mein Training hatte schließlich nicht abgedeckt, wie man mit solchen Leuten umgeht.

Ein paar Häuser weiter war ein Mann zwar interessiert, durfte aber ohne seine Frau nichts entscheiden. Als die später zuhause war, war sie natürlich nicht interessiert. Eine andere Frau durfte ohne ihren Mann nichts entscheiden, und der ist wegen einer Nachtschicht an diesem Tag nicht heimgekommen.
„Das macht ja nichts,“ sage ich, „es ist ja kein Vertrag. Wir halten Ihnen nur den Platz im Lieferwagen frei. Erste Lieferung ist in zwei Wochen, und wenn Sie es sich bis dahin anders überlegen, können Sie kurz anrufen und es wieder abbestellen.“
„Nein, ohne meinen Mann kann ich nichts entscheiden. I do what he tells me.

Inzwischen ist es dunkel und kalt und meine Motivation im Keller. Ich versuche nochmal mein Glück an einem Haus mit riesigem Wassertank vor dem Eingang, und bilde mir gleich ein Vorurteil, da ein Ned Kelly Aufkleber am Fenster klebt. Diesmal ist der Bewohner sogar da, macht die Tür in seiner Arbeitskleidung auf. Offenbar ein Bauarbeiter oder so. Ich fange also an mit meinem „Pitch“, erzähle, wer ich bin und was ich will.
„Wieviele Liter Milch trinken Sie denn in etwa in der Woche?“
„Milch? Ich trinke kaum Milch…“
„Brot? Das Brot wird bis 7 Uhr morgens geliefert und am gleichen Morgen gebacken, ist also ganz frisch und hat keine Konservierungsmittel.“
„Ja, hmm, ich ess auch nicht so viel Brot. Ich ess immer nur Frühstücksflocken und trinke Kaffee.“
„Verstehe, aber Sie tun doch bestimmt Milch über die Frühstücksflocken!“
„Hmm.“
„Also gut, wie ist es denn mit Eiern? Bestimmt essen Sie ab und an mal ein Rührei.“
„Eier? Ich hab noch Eier von März im Kühlschrank.“ (Es ist Ende Mai.)
„Wir liefern übrigens auch Fleisch.“
„Fleisch? Wann soll ich das denn kochen?“
„Am berühmtesten sind wir vermutlich für unser Obst. 48 Stunden vom Baum zu Ihrer Tür, garantiert.“
Er schaut sich den Infozettel an.
„Hmm, ja. Und wie lange gilt dieser Preis noch?“
„Ja, hmm, das ist unser Standardpreis, der gilt immer.“
„Also, das war jetzt kein gutes Verkaufsargument.“
Inzwischen denke ich mir, der Herr kauft eh nichts, und eigentlich warte ich eh nur noch auf den Feierabend.
„Ja,“ sag ich, „da haben Sie Recht. Wissen Sie, ich mache das eh erst seit einer knappen Woche, und ich bin auch nicht so gut darin. Gestern hab ich nur einen Obstkorb verkauft, und wenn das so weiter geht, dann kündige ich nächste Woche. Eigentlich wollte ich heute sowieso nicht kommen, weil ich nämlich einen Weisheitszahn habe, der mir meine Zähne verschiebt.“
„Hmm,“ sagt er, „aber wenn ich nichts kaufe, dann bekommst Du ja keine Provision. Das will ich natürlich nicht.“
Er studiert die Blätter nochmal und listet auf, was er gerne zweiwöchentlich haben will. Brot, Saft, etwas Milch. Seine Bankdaten muß er im Internet nachschauen, also bittet er mich kurz herein. In seiner Wohnung hängen noch mehr Ned Kelly Poster.
„Sie sind wohl ein Ned Kelly Fan,“ sage ich völlig wertfrei. „Über den habe ich gelesen, der hat doch gegen die Unterdrückung durch die Regierung gekämpft.“ Ich erwähne natürlich nicht, daß ich ihn seit meinem Besuch im Polizeimuseum für einen recht kaltblütigen Mörder halte. Und schon bin ich mitten in einer Diskussion über die Regierung und den Regierungschef, daß Kevin Rudd hoffentlich bald abgewählt wird, über die Probleme mit der Isolierung in den Häusern, über die Altersversorgung. Das Internet wäre auch teuer, und die Steuer, und ich kann gerne ein Bier haben, wenn ich mag. Oder einen Cognac. Um nicht unhöflich zu sein, nehme ich ein Glas Wasser. Er trinkt ein Bier und  zündet sich eine Zigarette an. Mein Teamleiter ruft mich zweimal auf dem Handy an, um zu fragen, ob ich noch lange brauche, denn er will mit mir zusammen an ein paar Häuser klopfen, damit ich lerne, wie man es richtig macht.
„Der macht sich sicher Sorgen,“ meint mein neuer Kumpel, als er seine Bankdaten abschreibt.
„Ja,“ sag ich, „der wartet draußen auf mich, um mich noch etwas zu schulen.“
Ich gebe meinem Kunden seine kostenlose Kühltasche und er mir die ausgefüllte Bestellung.
„Ich kann das ja nach einer Woche abbestellen, und dann bekommst Du Deine Provision trotzdem,“ sagt er.
Er wünscht mir noch eine gute Nacht und ich treffe draußen meinen Teamleiter, der mir zu meinem Verkauf gratuliert.

22
Mai
10

Oz: Hi, I’m the new milkman

Wir sind jetzt schon seit geraumer Zeit in Melbourne, und ich habe inzwischen sogar eine Arbeit gefunden. Ich bin inzwischen als Milchmann tätig. Aber bevor ich kurz meinen neuen Arbeitsalltag beschreibe, will ich erzählen, wie es dazu kam.

Auf der Jobsuche kam mir bei http://www.gumtree.com.au eine Anzeige unter die Augen, daß Milchmänner gesucht werden. Die Beschreibung war nicht so genau, und nach einiger Recherche der Firma im Netz kam ich zu dem Schluß, daß vermutlich nur Leute für das Telefonzentrum der Firma gesucht werden, die Bestellungen entgegennehmen. Ich habe mich also an einem Freitag beworben und an einem Montag einen Anruf bekommen, daß ich am Dienstag zum Bewerbungsgespräch kommen soll. Die Dame am anderen Telefon hat auch kurz erklärt, was die Arbeit genau beinhaltet, aber aus irgendwelchen Gründen habe ich kein Wort verstanden. Die Verbindung war nicht so gut und ich war abgelenkt und habe nur das Ende der Frage gehört, „Do you think that’s something you would like to do?“ Also habe ich geraten, „Yes, I think so.“ Am nächsten Tag im Bewerbungsgespräch stellte sich dann heraus, daß ich bei der Arbeit von Tür zu Tür gehen muß, um den Leuten vom tollen Lieferservice der australischen Bauern zu erzählen, und wenn diese etwas bestellen wollen, bekomme ich eine Provision.

Obwohl mein erster Instinkt war, lieber doch nach einer anderen Arbeit zu suchen, weil ich eigentlich nicht so extrovertiert bin, daß mir so eine Arbeit liegen könnte, habe ich mich doch überwunden und bin am Mittwoch zum Training gegangen und habe am Freitag das erste Mal an Türen geklopft. (Wortwörtlich, denn viele Australier haben keine Klingel.) Erstaunlicherweise war es gar nicht so schlimm, wie ich dachte.

Das war letzte Woche, und seitdem habe ich mich wie ein manisch-depressiver durch die Woche gekämpft. Ein Tag war gut, am nächsten Tag wollte ich alles hinschmeißen. Dann war wieder ein guter Tag, dann wieder nicht. Denen, die nach dem Training tatsälich zur Arbeit erschienen sind, ging es genauso. Wir haben uns aber gegenseitig ermutigt, und da Freitag wieder einer der besseren Tage war, an denen auch jeder mal ein paar Verkäufe hatte, sind wir alle entschlossen, am Montag wiederzukommen.

So ist es als Milchmann.
Demnächst schreibe ich vielleicht noch ein paar Geschichten aus meinem Arbeitsalltag.

04
Mai
10

Oz: Stuart Highway (Wüste und Tropen)

Es ist viel passiert seit dem letzten Eintrag. Wir sind nach Adelaide geflogen, was mich wenig beeindruckt hat. Die Skyline ist nicht besonders hübsch (sie wird von vier riesigen Stadionlichtern kaputtgemacht und die Hochhäuser sind auch nicht besonders schön) und auch sonst hatte Adelaide irgendwie nicht so viel zu bieten. Es soll zwar Leute geben, denen Adelaide besser gefällt als Melbourne, aber ich gehöre sicher nicht dazu. So sehr ich vorher über Melbourne gemeckert habe, so sehr hat es mir dann gefehlt, als ich in Adelaide war.

In Adelaide haben wir dann eine Tour gebucht, um Australien von Süden nach Norden zu durchqueren, wie es vor langer Zeit zum ersten Mal Herr Stuart gemacht hat, nachdem die Süd-Nord-Straße von Adelaide nach Darwin konsequent benannt ist. Der Stuart Highway. Als erstes haben wir eine zweitägige Tour Adelaide nach Alice Springs gemacht. Zwischenhalt war Coober Pedy, die Opalhauptstadt der Welt. Dort haben wir in einer Höhle geschlafen, was mir besonders gefallen hat. Wenn die Tür zu war, war es ganz leise und vollkommen dunkel. Wenn man vorher monatelang im lauten Hostel war (oder lange neben einer Tankstelle und einer Eisenbahnstrecke gewohnt hat), dann weiß man das richtig zu schätzen. Es roch zwar etwas komisch, aber man kann nicht alles haben. Ich als Schlaftourist kann also sagen, daß das Schlafen im Swag unter dem Südsternhimmel und das Schlafen im Bett in der Höhle bisher zwei Highlights waren. Das Swag ist mir insgesamt natürlich lieber und sonst gibt es auch nicht viel in Coober Pedy, das sich zum Anschauen lohnt. Das Raumschiff aus dem Film „Pitch Black“ steht allerdings in einer sandigen Ecke herum in Coober Pedy, und wir sind hin und haben nachts viele Fotos gemacht, nachdem uns die „unterirdische Bar“ (die nicht wirklich unterirdisch ist) nicht besonders beeindruckt hat.

Von Alice Springs aus haben wir dann eine dreitägige Tour des „Red Center“ gemacht, da ging’s zum Uluru, zu Kata Tjuta und zum King’s Canyon. Der King’s Canyon war davon am beeindruckendsten, fand ich, und wir sind ihn hinaufgelettert und dann lange darauf herumgewandert. Der Uluru war auch nicht schlecht, aber er ist im Prinzip nur ein riesiger Felsen, der so herumsteht. Wir sind einmal halb herumgelaufen. Zum Besteigen wäre nicht viel Zeit gewesen, auch wenn es manche gemacht haben, aber ich wäre auch so nicht hinauf, weil die Aboriginals den Felsen als heilig ansehen und nicht wollen, das man hinaufgeht. Sie tolerieren es nur, weil das eine Auflage war, damit sie das Land von der australischen Regierung wiederbekommen. Erpressung. Ein paar Tage später ist übrigens jemand bei der Besteigung des Uluru gestorben, zum ersten mal nach 10 Jahren wieder.

Bei dieser Tour ist uns auch im Outback ein Mädchen abhanden gekommen, als wir Feuerholz gesucht haben. Da fragen sich alle immer, wie sowas denn passiert, aber im Outback sieht alles irgendwie gleich aus, und wenn man erstmal ein paar Minuten von der Straße wegwandert, hört man überhaupt nichts mehr. Als wir sie dann gesucht haben, war es meine Aufgabe, die ganze Zeit die Hupe des Busses zu drücken, in der Hoffnung, daß sie die Hupe hört und uns wiederfindet. Allerdings haben alle gemeint, wenn man erstmal 5 Minuten von der Straße weggewandert ist, hört man nicht mal mehr die Hupe. Unsere Reiseleiterin ist nach außen hin ziemlich cool geblieben und hat alles in die Wege geleitet, um das Mädchen wiederzufinden. Sogar ein Hubschrauber wurde losgeschickt, aber nach einer Stunde hat uns das Mädchen selbst wieder gefunden. Sie meinte, es wäre ihr länger vorgekommen, und sie war durchaus ein wenig verstört, verständlicher Weise. Aber es ist gut ausgegangen, das ist ja die Hauptsache.

Zu bemerken ist noch, daß in der Wüste die Fliegen wirklich sehr sehr nervig sind. Die australischen Fliegen sind auch nicht so nett wie die Deutschen, daß sie sofort wegfliegen, wenn man mit der Hand wedelt. Nein, nein, die australischen Fliegen sind penetrant und setzen sich aufs Gesicht, und wenn man sie wegscheucht, setzen sie sich trotzdem zwei Sekunden später wieder aufs Gesicht, krabbeln einem in die Ohren, die Nase, die Augen, und man traut sich gar nicht, den Mund aufzumachen. Die $7 für das Fliegennetz, das ich gekauft habe, haben sich echt gelohnt.

Unsere nächste Tour ging dann von Alice Springs nach Darwin. Dabei ist zu erwähnen, daß wir da dann schon fünf Tage unterwegs waren und jeden Tag früh aufstehen mußten. Das schlägt sich mit der Zeit auch etwas aufs Gemüt. Diese dreitägige Tour war dann im Prinzip auch okay, auch wenn es ständig irgendwo zum Schwimmen hinging, und wenn eine nervige Holländerin dabei war, die ständig Trinkspiele spielen wollte und auch sonst immer alle Leute zu allerlei nervigem Zeug animiert hat.

In Darwin hatten wir dann einen Tag frei, und ich habe mich sehr gefreut, endlich mal wieder ausschlafen zu können. Darwin hat ein tropisches Klima („400 Tage Sonnenschein im Jahr,“ meinte der Typ bei den Öltunneln aus dem zweiten Weltkrieg) und man kann wirklich nichts machen, ohne in heftiges Schwitzen auszubrechen. Angeblich ist auch die hohe Luftfeuchtigkeit schuld. Ansonsten ist Darwin nicht so beeindruckend, aber alles, was man so unterwegs getroffen hat auf dem Stuart Highway, sammelt sich dann dort und man trifft lauter Bekannte. Und nach ihren Touren gehen alle ins „Vic“, wo man beim Kauf eines Getränks ein kostenloses Essen bekommt (kein besonders gutes, aber umsonst) und wo unser einer Tourguide Bier gewonnen hat, indem er ein Bier durch den benutzten Socken eines anderen Gastes getrunken hat. Er fand das auch noch toll, daß die da so tolle Spiele haben…

Nunja, nach einem Tag Pause ging’s dann ab zur dreitägigen Tour in den Kakadu Nationalpark. Ich hab noch nie so geschwitzt wie auf dieser Tour, aber auch wenn die nervige Holländerin wieer dabei war, war es eigentlich eine gute Tour. Unsere Tourleiterin hat jeden Tag etwas mit uns gemacht, was nicht auf dem Plan stand (der Plan wurde eigentlich gar nicht eingehalten, wenn ich mir das so überlege), und so haben wir – nach anstrengendem Klettern – immer die tollsten Aussichten genießen können. Highlight war der Sonnenuntergang auf einem hohen Gipfel am ersten Tag. Wohin man sich gedreht hat, hat man den Wald gesehen, der sich bis zum Horizont erstreckt hat. Hier und da ragte ein Felsen hervor. Das war wirklich wunderschön.
Ansonsten war auch hier wieder oft Schwimmen angesagt (bei den schönsten Wasserlöchern, die man sich vorstellen kann), wir waren bei einer Bootsfahrt, wo die Krokodile gefüttert wurden (cool!), haben uns im Culture Center etwas über die Kultur der Aboriginals erzählen lassen, Speere geworfen und Didgeridoo gespielt (bzw. probiert zu spielen). Ich war natürlich auch sehr von den Termiten beeindruckt, weil es kleine, blinde Ameisen sind, die riesige, klimatisierte, feuerfeste Termitenhügel bauen. Sie werden nicht genug gewürdigt, die Termiten.

Nach der Tour war ich dann auch wieder k.o. und wir waren noch ein paar Tage in Darwin, bis es einen billigen Flug nach Melbourne gab. So haben wir uns auch noch den Mindil Markt angeschaut, wo’s ein schönes Feuerwerk gab, haben uns eine Ausstellung über die Perlenindustrie angeschaut, und am letzten Abend hat uns ein angetrunkener australischer Soldat mit Getränken versorgt und sein Bekannter, ein Koch, hat uns seine Ansichten über die momentane Situation der Aboriginals erläutert und daß sie wenige Chancen haben im Leben, weil die Programme der Regierung nicht wirklich gut sind. Er ist offenbar auch von ein paar Aboriginals „adoptiert“ worden und spricht ihre Sprache etwas und arbeitet bei einem Projekt, in dem die Aboriginals Köche werden können, wenn sie mögen. So oder ähnlich. Ein interessanter Abend.

Jetzt sind wir also wieder in Melbourne und die Arbeitssuche geht wieder an. Hoffentlich haben wir diesmal mehr Erfolg!