Archiv für April 2010

16
Apr
10

Adelaide, Hahndorf, Kangaroo Island, etc

Inzwischen haben wir Melbourne verlassen und sind (per Flugzeug) nach Adelaide weitergereist, wo es 30 Minuten früher ist als in Melbourne. Adelaide macht anfangs einen guten Eindruck, weil der Bus vom Flughafen in die Innenstadt nur 2.70$ oder so kostet. Vom Flughafen Melbourne bis in die Innenstadt ist gleich $16 los. Aber da hört es dann im Prinzip auch auf mit dem guten Eindruck. Ich habe anfangs viel gejammert, daß Melbourne („Milben“, wie ich es nenne) so langweilig ist und im Vergleich zu Sydney wenig zu bieten hat. Die Docklands sind relativ langweilig und der Docklands Park ebenfalls, der Royal Botanic Garden kann auch nicht mit dem in Sydney mithalten. Jedoch, nach drei Stunden in Adelaide habe ich Milben schon vermißt und inzwischen freue ich mich fast schon darauf, dahin zurückzukehren. Bevor wir nach Adelaide gereist sind, war ich in Melbourne auf dem Comedy Festival. In meinem englischen Blog findet sich ein Eintrag darüber, wie schwierig es war, eine Karte für den „Garfunkel & Oates„-Auftritt zu bekommen und darüber, wie sie dann kurz vorher doch noch abgesagt haben. Jedoch kam zumindest die eine Hälfte von Garfunkel & Oates, Kate Micucci, und sie war auch alleine ungemein unterhaltsam. Außerdem war Tig Notaro vertreten, die offenbar im Sarah Silverman Program mitspielt, und auch sie war sehr unterhaltsam mit einer fast endlosen Geschichte über Taylor Dayne. Nick Thune war dann eher nicht so mein Geschmack und auch Christian Finnegan war nur begrenzt lustig, aber alles in allem war die Show durchaus ihr Geld wert. In Adelaide gibt es nun also reichlich wenig. An einem Tag sind wir auf den Aussichtspunkt hier in der Nähe, bei dem eine Statue des Stadtplaners Mr. Light steht. Eine schöne Statue hat er bekommen, aber die Aussicht von da ist ziemlich häßlich. Die Hochhäuser der Stadt gefallen mir fast alle nicht, und davor hat jemand ein Sportstadion mit vier riesigen Flutlichtern gestellt. Die Flutlichter machen die Skyline insgesamt kaputt. Es gibt auch eine Schokoladenfabrik in Adelaide, von der uns allerdings abgeraten wurde, weil die „Führung“ nur 5 Minuten dauert und man nur durch ein Fenster mal eben in die Fabrik sehen darf. Stattdessen haben wir uns Hahndorf angeschaut, das älteste deutsche Dorf in Australien. Mir wurde gesagt, es sähe so aus, wie Japaner sich Deutschland vorstellen, aber im Prinzip sind es nur ein paar Geschäfte entlang der Hauptstraße, die allesamt nicht deutsch aussehen, und gäbe es nicht teure Wurst zu kaufen und hier und da eine bayerische Flagge, wäre überhaupt nichts europäisches mehr an dem Dorf. Wenn man im Visitor Center fragt, was man sich hier so ansehen kann, meint der Angestellte dort: „Well, have you seen the main street?“ Als ich dann zum Mittagessen eine oven baked potato wollte, waren gerade die Kartoffeln aus, und als ich dann eben die strawberries with ice cream wollte, waren die Erdbeeren aus. Also hab ich gesagt, ich nehme den Aussie Dingo hot dog, der war nicht aus, aber er ist aus einer Kuh gemacht, nicht aus einem Dingo. Das beste an Adelaide (also abgesehen von den „Tegan & Sara“-Postern, die ein baldiges Konzert ankündigen) ist, daß man von dort Kangaroo Island bereisen kann, was ich mit meiner Schwester auch gemacht habe. Wir haben eine dreitägige Tour von Groovy Grapes gebucht und sind dann am Freitag losgefahren und mit der Fähre übergesetzt, was eine Stunde dauert. Unsere Reisegruppe war klein (7 Personen, inklusive uns und dem Reiseleiter) und wir hatten einen Kleinbus mit Anhänger, den wir allerdings nicht mit auf die Fähre genommen haben. Stattdessen haben wir vor der Fähre den Anhänger ausgeladen und ein Gepäckauto beladen, welches wir dann auf Kangaroo Island ausgeladen haben und einen anderen Kleinbus mit Anhänger, der auf der Insel gewartet hat, eingeladen haben. Ich weiß gar nicht, wie oft wir die Kisten ein- und ausgeladen haben in den drei Tagen, aber ich habe noch immer Muskelkater. Am ersten Tag waren wir auf dem Prospect Hill, einem kleinen Berg von 109 Metern, der jedoch der höchste Berg auf der Insel ist. Man hat eine sehr schöne Aussicht von da oben. Anschließend ging es zu einer Eukalyptusdestillerie, die nicht so wirlich aufregend war. Es gab ein Känguruh da, das sie mal gerettet haben, und ansonsten haben sie einen kurzen Film über die Eukalyptusölgewinnung gezeigt und dann die Produkte vorgeführt, die sie einem verkaufen wollten. Dann war es Zeit fürs Mittagessen. Simon, unser Reiseleiter, hat uns Hamburger gebraten. Praktischerweise gibt es überall in Australien Gasherde, an denen man umsonst grillen kann. Nach dem Essen sind wir dann durch einen engen Pfad durch ein paar Felsen hindurch und siehe da – auf der anderen Seite war ein traumhafter Strand! An dem haben wir dann erstmal etwas Zeit vertan und ich hätte mir beinah meine Zehen gebrochen. Anschließend ging’s zum Sandboarden, worin ich erstaunlich schlecht bin. Zu meiner Verteidigung muß ich allerdings sagen, daß der Sand naß war. Da kann’s ja nicht richtig gehen… Danach sind wir dann zu einem kleinen Haus im Nirgendwo gefahren, von dem aus man eine tolle Aussicht auf eine Ebene hatte, auf der Känguruhs grasten. Abends haben wir ein Lagerfeuer gemacht und einige von uns haben neben dem Lagerfeuer in einem australischen „swag“ geschlafen, einem großen Plastik-/Textilschlafsack, in den man eine Matratze legt und einen normalen Schlafsack, und dann ist man nachts warm und es wird auch nur der Kopf naß, falls es regnet. Für mich war das bisher der tollste Teil des Australienabenteuers, unter den Sternen zu schlafen, neben dem Feuer. Über mir habe ich das Southern Cross und die Milchstraße bewundert und jedes Mal, wenn ich nachts aufgewacht bin, habe ich mich gefreut, als ich die Sterne gesehen habe. Einmal habe ich auch ein Känguruh vorbeihoppeln hören. Ansonsten gab es auf Kangaroo Island auch viel zu sehen, Seelöwen und Strände, Känguruhs, Pinguine. Einmal ist sogar eine Schlange über die Straße geschlängelt. Ich würde jedem einen Abstecher empfehlen, wenn er sich in Adelaide aufhält, das ist sicher. Nach unserer Rückkehr von der Insel haben wir dann unsere nächste Tour gebucht, die finanziell ganz schön ins Gewicht fällt. Aber so werden wir über Coober Pedy nach Alice Springs fahren, dort dann den Uluru sehen und alles, was sich interessantes zwischen Alice Springs und Darwin aufhält. Und in Darwin werden wir dann in den Kakadu Nationalpark fahren und sehen, was es da so alles gibt. Dann geht’s wieder nach Melbourne und dann ist vermutlich doch endlich mal arbeiten angesagt, wenn sich eine Arbeit findet. Und wenn wir dann ein besseres Gewissen haben, weil wir auch endlich mal nicht nur ausgegeben haben, können wir uns darum kümmern, die West- und Ostküste auch noch zu erforschen. Man darf gespannt sein, wie’s weitergeht.

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